Internationale Aktivitäten der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät – Ein Überblick

Von Dr. Anja Schwerk, Referentin für Studium und Internationales, 19.07.2021

Internationalisierung ist für die Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät gelebte Realität. Das gilt sowohl für die Lehre als auch für die Forschung. Im Kontext der fortschreitenden Globalisierung hat die Fakultät über Jahre ein Netzwerk von Partneruniversitäten über europäische Grenzen hinaus aufgebaut und unterstützt und fördert die Studierendenmobilität in der Lehre. Für Forscher*innen und Nachwuchswissenschaftler*innen aus aller Welt bietet sie gemeinsam mit ihren Kooperationspartnern von der Berlin School of Economics ein international ausgerichtetes, strukturiertes Doktorandenprogramm und damit eine einmalige Karriereplattform für den internationalen Arbeitsmarkt.

Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät mit Heilig-Geist Kapelle
Foto: Anja Schwerk

Die Internationalität in der Lehre hat an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät Tradition: Bereits 1998, lange vor dem Bologna-Prozess, wurde mit dem Master in Economics and Management Science (MEMS) eines der ersten (englischsprachigen) Masterprogramme im Bereich der Wirtschaftswissenschaft in Deutschland ins Leben gerufen. Neben der Verbindung von betriebswirtschaftlichen und volkswirtschaftlichen Studieninhalten sollte der MEMS-Studiengang vor allem internationale Studierende anziehen, deren Studieneinstieg bis dahin durch die Struktur der damals vorherrschenden Diplomstudiengänge erschwert wurde. Bis heute ist der MEMS-Studiengang bei internationalen Bewerber*innen besonders nachgefragt. Der Anteil an ausländischen Studierenden beträgt 86 % (141 Studierende). Die Quote ausländischer Studierender ist auch in den anderen vier Masterstudiengängen der Fakultät stetig angestiegen und stellt sich heute folgendermaßen dar: 40 % im MA BWL, 37 % im MA Statistik, 36 % im MA Wirtschaftsinformatik und 16 % im MA VWL. Dies ist neben der Reputation der Humboldt-Universität über die nationalen Grenzen hinaus und der besonderen quantitativ-theoretischen Ausrichtung unserer Studienprogramme auch der Tatsache zu verdanken, dass alle Masterprogramme nahezu rein englischsprachig sind. In den zwei überwiegend deutschsprachigen Bachelorstudiengängen BWL und VWL kommen immerhin jeweils 19 % der Studierenden nicht aus Deutschland.

Die Studierendenmobilität hat ebenfalls einen besonderen Stellenwert und eine lange Tradition an der Fakultät. Dabei steht der Studierendenaustausch im Rahmen des Erasmus-Programms im Vordergrund. Über 55 Verträge mit europäischen Partneruniversitäten in 25 Ländern, drei Partnerschaften mit Universitäten im UK sowie weitere 17 Fakultätsverträge, darunter sechs Universitäten aus China und fünf aus der Schweiz. Unter den Partnern finden sich im Bereich der Wirtschaftswissenschaft renommierte Universitäten wie die Copenhagen Business School, ESCP Europe Paris, Universität St. Gallen, Università Commerciale Luigi Bocconi in Mailand, The Chinese University of Hong Kong, Shenzhen oder State University - Higher School of Economics in Moskau. Seit 2014 haben rund 650 Studierende die Möglichkeit erhalten, an ausländischen Partneruniversitäten zu studieren. Im Gegenzug hat die Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät 590 Austauschstudierende empfangen. Alle Austauschstudierende – Incomings wie Outgoings – werden durch unser mittlerweile über 10 Jahre bestehendes International Office intensiv beraten und betreut. Auf unseren Webseiten finden sich vielfältige Informationen teilweise unterstützt durch Video Tutorials. Bei der Study Abroad Fair bzw. International Mobility Week werden in Zusammenarbeit mit der Abteilung Internationales und externen Partnern wie z. B: AIESEC oder DAAD die Studierenden über alle Möglichkeiten und Förderungen rund um den Auslandsaufenthalt informiert sowie die Studienprogramme unserer Partneruniversitäten vorgestellt. Eine Sammlung von Erfahrungsberichten der ehemaligen Outgoings hilft den interessierten Studierenden bei der Wahl ihres Studienortes. Incoming Students werden durch das Buddy-Programm von Studierenden der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät betreut. Schließlich unterstützt die Wirtschaftswissenschaftliche Gesellschaft an der Humboldt-Universität zu Berlin e. V., der gemeinnützige Förderverein der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät, seit Jahren Studierende mit einem Reisekostenzuschuss bei ihrem Auslandsaufenthalt.

Hannah Nitsch, Studentin der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät und im WiSe 2020 Austauschstudierende am University College London, im Online-Dialog mit der Andrea Merkel bei der Konferenz zur Zukunft Europas.
Foto: Bundesregierung/Bergmann

Welche Vorteile sich durch die Partnerschaften und internationalen Aktivitäten der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät für die Studierenden ergeben, hat Hannah Nitsch, Studentin an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät und eine von zehn ausgewählten europäischen Studentinnen und Studenten im Online-Dialog bei der Konferenz zur Zukunft Europas mit der Bundeskanzlerin betont (s. Foto)!

Auf der Schnittstelle von Lehre zur Forschung ist das strukturierte Doktorandenprogramm der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät anzusiedeln. Die Berlin School of Economics ist eine Kooperation der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät mit ESMT Berlin, Freie Universität Berlin, Hertie School, Universität Potsdam, Technische Universität Berlin und WZB und bietet herausragenden Promotionsstudierenden im Rahmen ihrer Ausbildung ein außergewöhnliches Kooperations- und Forschungsnetzwerk. Jedes Jahr werden nur ca. 20 Promovierende aus über 500 Bewerberinnen und Bewerbern ausgewählt. Internationalität spielt eine große Rolle im Rahmen des Programms. Etwa 50% der BSE-Promotionsstudierenden stammen aus dem Ausland und werden in den Bereichen Economics, Accounting, Finance and Management gezielt für den internationalen Arbeitsmarkt ausgebildet und dabei zusätzlich durch junge Forscher*innen auf Postdoc Level des BSE Research Associates Program unterstützt.

Die Fakultät nimmt zusätzlich am international job market für Nachwuchswissenschaftler (PostDoc-niveau) teil. Dieser jährliche Jobmarket ist der wichtigste Markt für den wissenschaftlichen Nachwuchs in den Wirtschaftswissenschaften. Auf dem internationalen job market rekrutiert die BSE die PostDocs für ihr PostDoc-programm, Berlin Economic Research Associates (BERA); BSE-Promovierten finden wiederum auf ihr Profil zugeschnittene akademischen Jobs an internationalen Universitäten und international renommierten Forschungseinrichtungen.

Die Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät ist in ein globales Kooperations- und Forschungsnetzwerk eingebunden. Die Forschung befasst sich sowohl mit aktuellen Themen wie der Wirkung der Globalisierung auf den deutschen Arbeitsmarkt, Technologien zur Speicherung, Verarbeitung und Analyse großer Datenmengen (Big Data), künstlicher Intelligenz, dem Nutzen von neuen Finanzierungsformen wie Crowdfunding, als auch mit klassischen Grundsatzfragen wie Verhaltensökonomie, Entscheidungstheorie und Geldpolitik. In den unterschiedlichen Forschungsbereichen finden zahlreiche internationale Forschungskooperationen und Aktivitäten statt, die im Folgenden nur grob und ausschnittsweise skizziert werden können:

Die Emmy Noether Forschungsgruppe von Prof. Nadja Klein, Juniorprofessur für Angewandte Statistik verfügt über diverse internationale und interdisziplinäre Forschungskollaborationen an den Schnittstellen zwischen Statistik und Maschinellem Lernen. Unter anderem zählt hierzu das im Rahmen der BUA geförderte Forschungsprojekt "Deep Gaussian mixture models" mit der National University of Singapore. Ein weiteres von mehreren Projekten von Prof. Nadja Klein ist aus einem Feodor-Lynen-Stipendium für Postdocs der Alexander von Humboldt Stiftung entstanden. Dort arbeitet sie insbesondere mit der University of Melbourne und Melbourne Business School zu einer neuartigen Klasse von Verteilungsregressionsmodellen, sogenannten Regression Copulas. Diese ermöglichen es, probabilistische Prädiktionen mit validen Unsicherheitsquantifizierungen für nicht-normalverteilte interessierende Variablen (wie Einkommen, Elektrizitätspreise etc.) bedingt auf Einflussfaktoren unterschiedlicher (wie Alter, Geschlecht, Nachfrage etc.) Arten zu erhalten.

Das Team vom Lehrstuhl Wirtschaftsinformatik forscht mit internationalen Partnern aus Wirtschaft und Wissenschaft zu Fragestellungen der Entscheidungsunterstützung im Kreditwesen und Marketing. Aktuell arbeitet Prof. Stefan Lessmann gemeinsam mit den Kollegen*innen der KU Leuven, der University of Edinburgh und der University of Southampton sowie der University of Nottingham Malaysia an einem Literaturüberblick zum Thema „Credit Scoring in the age of AI“, welcher als Invited Review im European Journal of Operational Research erscheinen wird.

Im Bereich Management arbeitet Prof. Anja Schöttner gemeinsam mit Forschern der Erasmus University Rotterdam und der University of Stavanger an verschiedenen Forschungsprojekten. In einer aktuellen Arbeit untersuchen sie, wie sich verschiedene Arbeitsmarktbedingungen auf die Wahl von Führungsstilen in Unternehmen auswirken.

Prof. Sulin Sardoschau, Juniorprofessorin für Migrationsökonomik, forscht mit internationalen Partnern aus Frankreich und der Schweiz zum Thema „Social Protest in Times of Social Distancing - Black Lives Matter and COVID-19“. Ein weiteres Papier mit Forschern der Harvard Business School und Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung mit dem Titel "Scared Straight? Threat and Assimilation of Refugees in Germany" ist in Arbeit. Weitere Forschungsprojekte von Prof. Sulin Sardoschau finden sich hier.

Prof. Christian Schade, Lehrstuhl für Entrepreneurial and Behavioral Decision Making kooperiert seit 2019 mit einer Forscherin der Erasmus School of Economics, Rotterdam zum Thema Experienced Utility im Kontext unternehmerischer Exitentscheidungen. Prof. Schade ist außerdem seit 2012 Teil der (invitational) Oxford Summer Residence of Entrepreneurship Scholars, eines alljährlich am Green-Templeton College, Oxford University, UK stattfindenden (und von diesem College auch teil-finanzierten) Treffens von Entrepreneurship Economists zum Zwecke wissenschaftlichen Austauschs.

Der Lehrstuhl zur Mikroökonomischen Theorie von Prof. Roland Strausz arbeitet an einem größeren Forschungsprojekt mit dem Titel "Design of organizational structures" mit Forschern der ESSEC Business School aus Frankreich und der Santa Clara University aus den USA.

Das Institute of Accounting and Auditing mit dem Team um Prof. Joachim Gassen und Prof. Ulf Brüggemann wird aller Voraussicht nach im Oktober in Kooperation mit der Karls-Universität einen "PhD Workshop" in Prag durchführen.

Das Institut für Wirtschaftspolitik  von Prof. Lutz Weinke führte im Juni 2021 einen internationalen Workshop für Ph.D. students zum Thema "Towards a micro-funded theory of monetary policy".

Prof. Wolfgang Härdle arbeitet im Rahmen der International Research Training Group (IRTG) 1792  “High Dimensional Nonstationary Time Series” seit Jahren besonders eng mit verschiedenen renommierten Universitäten aus China zusammen, darunter z. B. das Wang Yanan Institute for Studies in Economics der Xiamen University. Einen Überblick über die Forschungsprojekte finden sich hier