Internationale Aktivitäten der Theologischen Fakultät – Ein Überblick

Von Prof. Dr. Dr. Bernd U. Schipper, Prodekan für Forschung und Internationales

Die Theologische Fakultät ist in jedem ihrer sechs Fächer (Altes Testament, Neues Testament, Christentumsgeschichte, Dogmatik und Ethik, Praktische Theologie, Religionswissenschaft) international breit vernetzt. Über 17 Erasmus-Partneruniversitäten bieten den Studierenden die Möglichkeit, in Europa für ein oder zwei Semester zu studieren. Zudem können im Rahmen von Summerschools besondere Lernorte kennengelernt werden, wie etwa Jerusalem, Oxford, Moskau oder Pretoria. Hinzu kommen Exkursionen nach Jordanien, Ägypten, die Türkei und Italien. Auf der Ebene der Doktorandenförderung finden im Rahmen des Graduiertenzentrums der Theologischen Fakultät immer wieder internationale Veranstaltungen statt, wie z.B. in diesem Semester eine vom Berlin Institute for Public Theology organisierte virtuelle Ringvorlesung zu 'Public Theology: An International Assessment' mit Vortragenden aus Brasilien, China, Großbritannien, der Demokratischen Republik Kongo, Malaysia, Nigeria, Südafrika und den USA.

Seit vielen Jahren pflegt die Theologische Fakultät intensive Beziehungen zu Universitäten in Südafrika. Jüngste Frucht dieses Austausches ist ein internationales Graduiertenkolleg (IGK) „Transformative Religion“, das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft Anfang Mai 2021 bewilligt wurde. Das Graduiertenkolleg forscht über „Religion als situiertes Wissen in sozialen Transformationsprozessen“ und ist das erste geistes- und sozialwissenschaftliche IGK in der Geschichte der akademischen Beziehungen zwischen Südafrika und Deutschland. Beteiligt sind neben der HU Berlin die Universität Stellenbosch, die Universität von Kwa Zulu Natal und die Universität des Western Cape.

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Ein weiterer Schwerpunkt sind Beziehungen zur Orthodoxen Geisteswissenschaftlichen St. Tichon-Universität und zur Lomonossow-Universität in Moskau, welche durch einen Hochschulvertrag abgesichert sind (mitbeteiligt ist das Institut für Slawistik der HU). Im Rahmen des u.a. vom DAAD finanzierten Austauschprogramms können jeweils zwei Studierende aus Moskau an der HU und zwei Studierende der HU in Moskau ein Semester lang studieren. Zudem finden seit 2003 abwechselnd in Moskau und in Berlin einwöchige Studierendenkonferenzen statt. Jeweils zwölf Studierende und drei Hochschullehrer*innen der auswärtigen Partnerinstitution arbeiten als Gäste gemeinsam mit einer mindestens ebenso großen Gruppe der gastgebenden Einrichtung an einem theologisch, ökumenisch oder gesellschaftspolitisch relevanten Thema wie etwa „Religion in der Welt von heute“.

 

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Im Forschungsbereich Religiöse Gemeinschaften und nachhaltige Entwicklung ist mit dem International Network on Religious Communities and Sustainable Development ein transdisziplinäres Forschungsprojekt entstanden. Unter anderem mit Förderung des Erasmus+ Partnerländer Programms werden in diesem Rahmen die Zusammenarbeit in Forschung, Lehre und Wissenstransfer u.a. mit Partnern in Ghana, Nigeria und Südafrika intensiviert. Dabei erstreckt sich die Zusammenarbeit nicht nur auf Universitäten, sondern auch auf internationale und zivilgesellschaftliche Organisationen sowie Religionsgemeinschaften. Besonders intensiv ist die Zusammenarbeit mit der University of Pretoria, mit der seit mehreren Jahren ein gemeinsames forschungsbezogenes Seminar (Q-Kolleg) in hybridem Format durchgeführt wird, in dessen Rahmen Studierende beider Universitäten in interkontinentalen Tandems gemeinsam empirische Lehrforschungsprojekte entwickeln und durchführen.

Das Spektrum internationaler Aktivitäten in den biblischen Fächern (Altes Testament und Neues Testament) reicht von der Beteiligung an einem internationalen Publikationsprojekt (The Encyclopedia of the Bible and Its Reception) über die Teilnahme an Ausgrabungen bis zu internationalen Workshops und Tagungen wie etwa in Verbindung mit der Australian Catholic University und der Katholischen Universität Leuven zu „Jews and Christians in the First Three Centuries“. Hinzu kommt die Beteiligung an einem DFG-Centre for Advanced Study „Beyond Canon“ der Universität Regensburg und an Forschungsprojekten der Universität Oslo zur antiken christlichen Literatur und Philosophie. In den letzten Jahren konnte als neuer Schwerpunkt die Archäologie etabliert werden. Neben einer Ausgrabung in der Türkei (Adana) ist die Fakultät an einer internationalen Grabung in Israel beteiligt, die in Kooperation mit dem Oriental Institute der University of Chicago und dem Department of Archaeology der Ben-Gurion-Universität in Beersheva (Israel) durchgeführt wird. Hinzu kommen verschiedene Drittmittelprojekte, darunter ein jüngst eingeworbener ERC-Advanced Grant, in dessen Advisory Board Wissenschaftler*innen aus Paris, Kopenhagen, Oxford, Harvard und Tel Aviv mitwirken.

 

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Ein weiterer Schwerpunkt der Fakultät betrifft die Christentumsgeschichte. Im Rahmen des EinsteinCenter Chronoi "Time and Awareness of Time in Ancient Societies" wird eng mit der Hebräischen Universität Jerusalem zusammengearbeitet. Zudem werden in Kooperation mit Wissenschaftler*innen anderer Länder Forschungsthemen wie Glaubensmigration oder Mission und Ökumene untersucht. Zu dem Buchprojekt "The Young Ecumenical Movement: Explorations in Christian Internationalism" tragen Forschende aus zehn Ländern und von vier Kontinenten bei. Die Christentumsgeschichte an der HU unterhält Lehr- und Forschungskooperationen u.a. mit Kolleg*innen der University of Oxford, Princeton University, Boston University, der Universitetet i Oslo und der Jawaharlal Nehru University in New Delhi.

Innerhalb der Praktischen Theologie liegt ein Schwerpunkt auf der interreligiös und interkulturell vergleichenden Predigtforschung. Zuletzt wurde im Rahmen des Tübinger SFB 1070 RessourcenKulturen in Kooperation mit dem Frobenius-Institut an der Goethe-Universität Frankfurt und lokalen Partnern*innen ein Projekt zu Predigten in Indien und Kirgistan sowie eine internationale Tagung zu „Ritual and Social Dynamics of Religous Speech“ durchgeführt. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der international-vergleichenden Bildungsforschung. Aktuell ist die dritte quantitativ-empirische Studie zur Konfirmandenarbeit in Europa in Vorbereitung, mit zehn beteiligten Ländern und mehr als 35.000 Befragten. Auf der Basis eines in Kooperation mit Kolleg*innen der Universitäten Exeter und Worcester (UK) durchgeführten DFG-Projekts wird zudem die Professionalisierung von Religionslehrkräften komparativ im europäischen Horizont erforscht. Ferner schließt die interkonfessionelle Arbeit an einer ökumenischen Religionsdidaktik Kooperationen mit Religionspädagog*innen aus verschiedenen orthodox geprägten Länderkontexten Europas ein.